Verein Lebendiger Burgweg




2. Portrait


Diana Fahrner


Diana Fahrner in ihrem Atelier mit der Holzfigur "Frida"


Am Burgweg aufgewachsen:
"Der Burgweg bedeutet für mich Heimat", eröffnet Diana Fahrner das Gespräch. Die Holzbildhauerin und Restauratorin betreibt heute zusammen mit ihrer Kollegin Christine Müller das Atelier "Hammerhai & Sägefisch" am Burgweg 10. Ihre Verbundenheit mit dem Kleinbasler Strassenzug reicht indes noch viel weiter zurück. Vor 46 Jahren zog sie mit ihren Eltern hierher - in der Folge einer Episode unserer Stadtgeschichte.

Am Burgweg als Kind und Jugendliche:
Die Tochter des Kunstmalers Kurt Fahrner (1932-1977) und seiner Frau Ingrid Frederiksen verschlug es in ihrer frühesten Kindheit mit ihren Eltern nach Dänemark. Grund für dieses nicht ganz freiwillige Exil war der gesellschaftliche Druck, dem die Familie damals ausgesetzt war. 1959 hatte die öffentliche Präsentation von Fahrners "Bild einer gekreuzigten Frau unserer Zeit" auf dem Barfüsserplatz in Basel einen Kunstskandal vom Zaun gebrochen. Dieser zog weite Kreise und ging in die Geschichte Basels im 20. Jh. ein. Was damals einen bedeutenden Beitrag zur Kunstdebatte darstellte und eine wichtige Diskussion über Kunst- und Meinungsfreiheit in unserer Stadt auslöste, zog für den Künstler die Konfiskation des Bildes und ein Strafverfahren nach sich. Für die Familie waren dies existentielle Schwierigkeiten. Erst nach zwei Jahren im Ausland konnten sich die Fahrners wieder zur Rückkehr in die Schweiz entschliessen. Doch auch jetzt noch blieb es schwierig, in der Heimatstadt wieder Fuss zu fassen. Ihre Chancen auf dem Wohnungsmarkt erwiesen sich als sehr eingeschränkt und erst 1967 fand die Familie nach mehreren Provisorien endlich eine feste Bleibe am Burgweg. Für Diana wurde der Burgweg zum Ort ihrer Kindheit und Jugend.

Phänomenale Quartierentwicklung:
"Früher war der Burgweg ein eher tristes Quartier mit recht gehässiger Stimmung unter den Nachbarn", erinnert sich Diana an ihre Kindheitsjahre. Die einzig amüsanten nachbarschaftlichen Zusammenkünfte fanden jeweils im Treppenhaus statt, wenn wieder einmal alle Hausfrauen gleichzeitig staubsaugen wollten und dadurch einen Stromausfall verursachten. In dieser Situation kamen dann alle aus ihren Wohnungstüren und klatschten und tratschten eine Weile auf dem Treppenabsatz - was immer sehr lustig war. "Seit diesen Zeiten hat der Burgweg eine phänomenale Entwicklung durchgemacht", meint Diana, "hier gab es eine Quartierentwicklung, wie sie sich jede Stadt nur wünschen kann!"

Zurück am Burgweg als Holzbildhauerin:
Als junge Erwachsene zog Diana aus und lernte Holzbildhauerin in der Innerschweiz und Restauratorin an der Hochschule der Künste in Bern. Da Diana auch mit Naturfarben arbeitet, benötigt sie Tageslicht. Gleichzeitig arbeitet man als Künstlerin bekanntlich mit dünnen finanziellen Margen und hohem Risiko und kann nicht jeden Mietpreis in Kauf nehmen. Wie viele andere Kulturschaffende war und ist Diana daher auf bezahlbaren Arbeitsraum angewiesen. Sechs Ateliers hat sie im Lauf ihrer Karriere auf- und wieder abgebaut, bis sie endlich an altbekanntem Ort am Burgweg den Raum fand, wo unter tragbaren finanziellen Bedingungen und guten Lichtverhältnissen ihre Arbeit verwirklicht werden kann. Schon seit 12 Jahren arbeitet Diana nun hier und sie ist dankbar, dass sie die kleine Werkstatt mit so günstigen Verhältnissen hier am Burgweg gefunden hatte.

Ateliers sollen verschwinden:
Die Kündigung bringt diese guten Arbeitsbedingungen jetzt wieder in Gefahr. Nach Plänen der Hauseigentümer soll nicht nur der Mietpreis um das Zwei- bis Dreifache steigen, es sollen auch alle Ateliers am Burgweg verschwinden. Angeblich, weil lärmige Gewerbe in den reinen Wohngebäuden nicht mehr geduldet werden können. Dabei hat es Probleme mit anderen Mieterinnen und Mietern wegen des Lärms gar nie gegeben. Einerseits erreicht die Werkstatt mit bescheidenem Maschinenpark und viel Handarbeit einen erträglichen Lärmpegel und andererseits herrscht am Burgweg unter der Mieterschaft eine tolerante und lebendige Atmosphäre. In diese passt ein kleines Schreinerei- und Kunst-Gewerbe wie "Hammerhai und Sägefisch" ganz hervorragend hinein!

Burgwegatmosphäre macht vieles möglich:
Auch Dianas Mutter, die noch bis 2007 hier wohnte, erlebte den Wandel und die offene Burgweg-Stimmung mit. In den späteren Jahren machte ihr das Alter immer mehr zu schaffen und sie wurde pflegebedürftig. Täglich schwärmte sie gegenüber der Tochter von der netten und durchmischten Nachbarschaft, die ihr in dieser Situation viel Halt geben konnte und das Wohnen trotz Altersbeschwerden bis 2007 am Burgweg ermöglichte. Es seien die Menschen hier gewesen, die zu dieser Lebensqualität beitrugen und sie habe den Burgweg als Strasse erlebt, wo grosse gegenseitige Toleranz herrschte, erzählt Diana.

Kündigung trifft nicht nur Diana hart:
In ihrer ehemaligen Wohnung lebt heute ein eng mit Diana befreundeter Künstler, der sie seit über 30 Jahren bei der Verwaltung des künstlerischen Nachlasses von Kurt Fahrner unterstützt. Leider ist er seit einiger Zeit schwer erkrankt. Neben dem drohenden Verlust ihres Ateliers findet es Diana ganz besonders deprimierend, dass sie dem Untermieter und langjährigen Weggefährten infolge der Massenkündigung in dieser schwierigen Situation ebenfalls kündigen muss.