Verein Lebendiger Burgweg




3. Portrait


Graziella und Paolo Brusadelli (83 und 97 Jahre alt)


Graziella und Paolo Brusadelli heute


Graziella und Paolo Brusadelli sind nicht vom Burgweg weg zu denken und der Burgweg wäre ohne sie nicht denkbar. Die Brusadellis sind die ältesten und mittlerweile längsten Bewohner des Burgwegs. "Wir sind hier Zuhause. Der Burgweg ist unser Daheim." So klingt es, wenn man sie fragt, was der Burgweg für sie bedeutet. 1950 sind sie als junges Ehepaar eingezogen: Graziella war damals gerade mal 20 Jahre alt. D.h. jetzt leben sie hier seit 63 Jahren - ein ganzes Leben.
Zuerst zu zweit und noch als kleine Familie bewohnten sie eine 2-Zimmer-Wohnung am Burgweg 12 im dritten Stock. Erst beim Familienzuwachs mit dem 4. und 5. Kind mieteten sie die 3-Zimmer-Wohnung auf dem gleichen Stock mit dazu. So hat die siebenköpfige Familie lange in fünf Zimmern mit zwei Küchen gewohnt. Später kamen noch zwei Mansarden dazu für die grossen Kinder, die eigene Zimmer benötigten. Nach dem Auszug aller Kinder schliesslich behielt das Ehepaar die 3-Zimmer-Wohnung, wo sie heute noch glücklich sind. Eigentlich ein wunderbar flexibles und modernes Wohnmodell, das sich je nach Lebensphase vergrössern und wieder verkleinern liess.

Vor dem Umbau 1979 lebte die Familie mit Ofenheizung, ohne warmes Wasser, ohne Bad, "...aber doch immerhin mit WC-Spülung", wie Graziella betont. Über ein Jahr lang wurden 1979 die Häuser der Pensionskasse umgebaut. Allerdings konnten damals die BewohnerInnen während der Sanierung in den Häusern verbleiben. Die Brusadellis erinnern sich gut an diese anstrengende Zeit, die sie dann aber gut überstanden haben. Die Kinder wollten unbedingt am Burgweg bleiben, weil sie ihre Schulhäuser und Kameraden in der Nähe hatten und die ganze Familie stark im Quartier verwurzelt war. Trotz des fortgeschrittenen Alters fühlen sich Graziella und Paolo nach wie vor im 3. Stock sehr wohl. Das jahrzehntelange Treppenlaufen hielt und hält sie fit: "Das ist unser Zuhause. Wir brauchen keinen Lift, es sind genügend Leute, die gerne Treppenlaufen und dafür günstig wohnen." Und sie fügt hinzu: "Hier sehen wir den Himmel und nicht nur Mauern."


Aus dem Fotoalbum der Familie Brusadelli


"Das einzig Schöne an der Kündigung ist, dass die BewohnerInnen des Burgwegs zu einer grossen Familie zusammengewachsen sind", sagt Graziella und weiter, dass der Kontakt zwischen den Leuten schon immer gut war in dieser Strasse; besonders als die Brusadellis als Hausmeister amteten, hatten sie viel Kontakt mit allen Nachbarn und Nachbarinnen.

Die Kündigung traf die ältesten Bewohner des Burgwegs hart: "Es ist ein Schock. Ich hätte nie gedacht, dass sie uns hier rausjagen. Es hat ja alles, wir brauchen nicht mehr." Es ist für Graziella und ihren Mann eine grosse Belastung zu wissen, dass sie weggehen müssen, ja es habe sie krank und unruhig gemacht. Inzwischen hat sich die Unruhe aber wieder gelegt. Graziella und Paolo denken nicht mehr so sehr an die Kündigung. Vielleicht habe die Pensionskasse ja ein Einsehen und alles wende sich zum Guten. Graziella und Paolo Brusadelli könnten so ihren Lebensabend in ihrem geliebten Burgweg in verdienter Ruhe zu Ende leben.